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Zivilklausel – Ein Ärgernis?

Eine Zivilklausel an den Unis schadet deshalb zwar nicht.

Dieser Satz fällt im letzten Absatz des jüngsten und lesenswerten Beitrags des Blogs „Lea“: Krieg den Hütten, Friede den Unis
Vorher wurde über den Unsinn und die Lächerlichkeit der Bestrebungen geschrieben, die sogenannte Zivilklausel an der Uni-Frankfurt zu etablieren. Die Zivilklausel besagt grob, dass Forschung an Hochschulen nur zivilen, d.h. nicht militärischen Zwecken dienen soll. Anders gesagt: Keine Kriegsforschung, keine Rüstung, kein Militär-Equipement.

Lea denunziert die Pazifisten erfolgreich als staatsgläubig, naiv, kleinbürgerlich, vergessen. Und auch hier in Marburg gibt es Zivilklausel-Bewegte, deren merkwürdigen Motive sicherlich in diese Kategorie fallen. Warum dann aber am Ende doch diese Wendung? Nun, das Problem scheint weniger die Zivilklausel, als die Pazifisten zu sein. Und Pazifisten sind und waren schon immer ein merkwürdiger Haufen. Was ist aber die Schlußfolgerung? Zivilklausel in den Papierkorb? Nein.
Zu schnell käme da auch der Ruf des Bellzismus.

In der berechtigten Kritik steckt auch fragwürdiges: Warum sollte das militärische Engagement der Allierten, die das hochgerüstete Deutschland nur mit Hilfe eigener Militärforschung niederringen konnten, ein Argument für deutsche Kriegsforschung sein? Die Bundesrepublik ins militär-technologische Neolithikum zu zwingen kann so falsch nicht sein. Tatsächlich auch aus einer antifaschistisch-antideutschen Gesinnung heraus. Gerade dann, wenn man sich Kontinuitäten deutscher Außenpolitik anschaut.

Am Ende holt Lea noch zu einem Rundumschlag aus: Solange die Gesellschaft nicht befreit ist, macht es keinen Sinn, den Krieg abschaffen zu wollen. Davon bin ich noch nicht ganz überzeugt. Zum Schluß reihe ich mich selbst mal ins unkommentierte Zitate-Posten ein:

Man kann nur dem Ganzen helfen

Sei mißtrauisch gegen den, der behauptet, daß man entweder nur dem großen Ganzen oder überhaupt nicht helfen könne. Es ist die Lebenslüge derer, die in der Wirklichkeit nicht helfen wollen und die sich vor der Verpflichtung im einzelnen bestimmten Fall auf die große Theorie hinausreden. Sie rationalisieren ihre Unmenschlichkeit. Zwischen ihnen und den Frommen besteht die Ähnlichkeit, daß beide durch „höhere“ Erwägungen ein gutes Gewissen haben, wenn sie dich hilfslos stehen lassen.
(Max Horkheimer, Dämmerung)

Rechts ist nicht das Gegenteil von links

Das die ganze Breite dessen, was landläufig als „rechts“ bezeichnet wird, nicht einfach die Kehrseite dessen ist, was „links“ ist, ist mir vor einiger Zeit mal wieder klar geworden.

Und zwar bei der Lektüre zweier Texte. Einmal dem Bekennerschreiben derer, die in Berlin ein Feuer legten und so den städtischen Bahnverkehr und den Mobilfunk lahmlegten und zum anderen durch die Replik der Blauen Narzisse: Querfront – jetzt aber richtig.

Wie enorm und gleichzeitig übersehbar der Unterschied zwischen Emanzipation und Barbarei ist, lässt z.B. an diesem Zitat aus der Blauen Narzisse erkennen:

Freiheit ist nicht die Freiheit des Andersdenkenden, sondern sein Leben lang auf seiner deutschen Scholle bleiben zu dürfen, ohne von raffgierigen Finanzhaien irgendwann vertrieben zu werden.

Auch Faschisten, Nationalsozialisten, Völkische kämpfen für die „Freiheit“. Einmal mehr zeigt es sich, dass mit bürgerlichen Begriffen, Idealen, ewigen Wahrheiten nicht so weit her ist. Was sich für „uns“ hinter diesen großen Wörtern verbirgt, lässt meist deutlicher sagen.

Was ich aber sagen wollte ist, ist, dass sich an diesen Texten eben auch zeigt, dass „rechts“, eine ganz eigene Ideologie ist. Manche Leute, wie sogenannte „Bauchlinke“, sehen das anders. Aber auch in vielen Antifa-Kreisen wird sich gewundert, dass ihre Feinde, nicht einfach nur gegen Linke sind, weil sie Rechte sind. Im Gegenteil. Wahrscheinlich wissen Rechte oft sehr viel besser, warum sie ein Problem mit Kommunist_innen und Co haben, als andersrum. Ihnen stehen Linke im Weg. Wenn ich mir Texte von solchen Leuten durchlese, wird das immer wieder deutlich.
Andersrum ist es selbstverständlich auch so, aber das wird erst richtig klar, wenn du ein revolutionäres Projekt hast, also wirklich was verändern willst.

Piraten! – mal wieder richtig doof

Vor einiger Zeit habe ich schonmal über darüber gebloggt, warum die Piratenpartei keiner Solidarität würdig ist: Piratinnen und andere Argumente gegen die Partei (in eine ähnliche Richtung geht auch der hier).
Doch sie hören nicht auf…

Ganz in meiner Nähe, in Frankenberg-Waldeck, hat der „Oberpirat“ Sascha Brandhoff einen offenen Brief an die Nationalen Sozialisten geschrieben.

Die Frage ist, ob ihr die Eier in der Hose habt und eure Anonymität aufgebt, oder ob ihr Angst um Leib und Leben habt? Ich versichere euch, dass keiner von uns hinter der nächsten Hauswand stehen wird, um euch brutal zu überfallen und ich verspreche auch, dass ich diese Cyber-Legion von Anonymous-Aktivisten zurückzuhalten werde, die euch mit Kabeln erdrosseln oder mit Tastaturen niederprügeln könnte. Kleiner Spaß mit den Anonymous-Aktivisten: Abseits ihres Computers und vor allem der Pizzeria sind die überhaupt nicht lebensfähig, deren Kryptonit ist Sonnenlicht und Sauerstoff, kurz SS.

Der Brief ist offensichtlich vor allem eins: saudumm. Vor allem weil er die Nationalen Sozialisten krass verharmlost. Die Piratenpartei beweist auf ein Neues, dass ihr Politik-Verständnis zurückgeblieben ist. Diesmal: Neonazis sind alle dumme Glatzen, die auf die Hauptschule gehen und es bloß nicht besser wissen.
Klar, es könnte auch mutig von Sascha sein, aber ist es nicht, wie die weitere Auseinandersetzung zeigt.

Denn lisa2 aus Marburg schrieb einen Flyer gegen die Piraten: „Piraten schlagen rechten Kurs ein“.
Und darauf hat Sascha Brandhoff auch wieder geantwortet, wieder in einem offenen Brief.

Dass er nichts versteht, zeigt er bei aller berechtigter Kritik an lisa2 schon im ersten Absatz:

Deshalb habe ich leider nicht die gleichen Möglichkeiten wie ihr. Ich kann mich nicht in die Anonymität flüchten.

Was er meint ist, das übliche: Ihr bösen anonymen Basher im Internet, steht doch dazu!

Trotzdem macht es weder die Piraten noch Sascha selbst zu Nazis. Selbst wenn er sie auf ein Bier einlädt.
Wer glaubt, Nazis durch Dialog und Einbindung zähmen zu können, wer glaubt, man könnte sie kontrollieren, wer glaubt, man könnte Nationalsozialismus in kleinen Dosen durchaus gebrauchen nur übermäßig dürfte der Konsum nicht werden, wer glaubt er wäre einer nationalsozialistischen Bewegung gewachsen und könnte ihr demokratisch begegnen, der hat nicht aus der Geschichte gelernt.

Mehr noch. Schon vor dem 3. Reich hätten alle wissen können, dass das Quatsch ist. Die Nazis haben nie einen Hehl aus ihren Zielen gemacht. Heute machen sie es mehr als damals, nichtsdestotrotz sind sie offenbar.

Das wird immer einer der besten Witze der Demokratie bleiben, dass sie ihren Todfeinden die Mittel selbst stellte, durch die sie vernichtet wurde. Die verfolgten Führer der NSDAP traten als Abgeordnete in den Genuß der Immunität, der Diäten und der Freifahrkarte. Damit waren sie vor dem Angriff der Polizei gesichert u. durften sich mehr zu sagen erlauben als gewöhnliche Staatsbürger, u. ließen sich außerdem die Kosten ihrer Tätigkeit vom Feinde bezahlen.“ (Josef Goebbels)

ALERTA ANTIFASCISTA!

Jüngst

Letzte Woche war Daniel Kulla im Havanna8, Lahntor 2 in Marburg und hielt einen Vortrag mit dem Titel „Leben im Rausch“. Ein dem Vortrag ähnliches Video ist auf seiner Webseite verlinkt.

Dabei ließ er [danke M!] eine Ausgabe des Hefts „das große Thier“ da, welches ein einigen Stellen sehr interessant ist. Zumal ein Thema behandelt wird, dass wichtiger kaum sein könnte: Ungarn. Im Heft wird vor allem auf den Kampf der Regierung gegen die Organisierung der Arbeiterklasse eingegangen und deutlich ausgesprochen, dass es in Ungarn Arbeitslager gibt.

Was soll ich bloß machen?

Warum ich kein Transhumanist bin

Webcomic: Marlowe the Monster

Keine Zeichnungen, sondern Fotos von Figuren.

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<p>via <a href=io9.com

Es geht hauptsächlich darum, das Monster Marlowe in unterschiedlichen Emotionen in die Umgebung zu stellen. Manchmal zum schmunzeln, oft eher traurig gedacht. Enjoy.

Yuri’s Night! 50 Jahre Menschen im All

banne yurisnight.com

Am 12. April vor 50 Jahren (1961) verließ zum ersten Mal ein Mensch diesen Planeten und kam (mehr oder weniger) gesund zurück: Juri Gagarin.
Überall auf der Welt feiern Fans den Jahrestag dieses Ereignisses unter dem Namen Yuris Night oder auch hier.

In Frankfurt findet aus diesem Anlass das 1. Internationale SpaceFilmFestival statt. Hier wird unter anderem bisher nie veröffentlichtes sowjetisches Filmmaterial über Gagarin gezeigt, es soll aber auch Spielfilme geben. Neben bei gibt es die Möglichkeit Raumfahrts-Russisch zu lernen. Eine Chance, die ich mir nicht entgehen lasse.

Und das wo die Ära der personalen Raumfahrt womöglich schon wieder vorbei ist.