Archiv der Kategorie 'streitbar'

Rechts ist nicht das Gegenteil von links

Das die ganze Breite dessen, was landläufig als „rechts“ bezeichnet wird, nicht einfach die Kehrseite dessen ist, was „links“ ist, ist mir vor einiger Zeit mal wieder klar geworden.

Und zwar bei der Lektüre zweier Texte. Einmal dem Bekennerschreiben derer, die in Berlin ein Feuer legten und so den städtischen Bahnverkehr und den Mobilfunk lahmlegten und zum anderen durch die Replik der Blauen Narzisse: Querfront – jetzt aber richtig.

Wie enorm und gleichzeitig übersehbar der Unterschied zwischen Emanzipation und Barbarei ist, lässt z.B. an diesem Zitat aus der Blauen Narzisse erkennen:

Freiheit ist nicht die Freiheit des Andersdenkenden, sondern sein Leben lang auf seiner deutschen Scholle bleiben zu dürfen, ohne von raffgierigen Finanzhaien irgendwann vertrieben zu werden.

Auch Faschisten, Nationalsozialisten, Völkische kämpfen für die „Freiheit“. Einmal mehr zeigt es sich, dass mit bürgerlichen Begriffen, Idealen, ewigen Wahrheiten nicht so weit her ist. Was sich für „uns“ hinter diesen großen Wörtern verbirgt, lässt meist deutlicher sagen.

Was ich aber sagen wollte ist, ist, dass sich an diesen Texten eben auch zeigt, dass „rechts“, eine ganz eigene Ideologie ist. Manche Leute, wie sogenannte „Bauchlinke“, sehen das anders. Aber auch in vielen Antifa-Kreisen wird sich gewundert, dass ihre Feinde, nicht einfach nur gegen Linke sind, weil sie Rechte sind. Im Gegenteil. Wahrscheinlich wissen Rechte oft sehr viel besser, warum sie ein Problem mit Kommunist_innen und Co haben, als andersrum. Ihnen stehen Linke im Weg. Wenn ich mir Texte von solchen Leuten durchlese, wird das immer wieder deutlich.
Andersrum ist es selbstverständlich auch so, aber das wird erst richtig klar, wenn du ein revolutionäres Projekt hast, also wirklich was verändern willst.

Warum ich kein Transhumanist bin

auch schnell notiert: Israelsolidarität in Warnemünde

Oha. Pixelutopia amüsiert sich gerade auf blogspot über die Antifa Warnemünde und teilt ihr den Deppenscore 17,5 zu. Ich finde, er macht es sich an einigen Stellen zu einfach.

Zu These I.2, dass zum Marx’schen Imperativ „alle Verhältnisse umzustoßen, in denen lalala“ sich nach Auschwitz auch immer Adornos das es sich nicht „wiederhole, nichts ähnliches geschehe“ gesellen müsse, mehr noch, dass letzterer sogar ersteren „umstülpe“, schreibt pixelutopia: „Kann ich nicht doch ein bisschen Holocaust zu meinem Kommunismus haben?“
Also auch ich Stimme Adorno zu, dass wir heute diesen kategorischen Imperativ befolgen müssen. Und wenn wir uns überlegen, was Auschwitz mit dem Menschen als „geknechtetes, verächtliches Wesen“ zu tun hat, und welche Bedingungen der Nationalsozialismus hat, dann ist es doch gar nicht so weit hergeholt. Wie sonst soll denn dauerhaft ein zweites Auschwitz verhindert werden, wenn nicht nur durch die menschliche Emanzipation? Gleichzeitig steckt im politisierenden Engagement, dass die Sachzwänge dekonstruiert und den Willen an ihre Stelle setzt, die Gefahr des „Umschlagens“. Auch im NS wurde Politik gemacht und zwar anders, als in der BRD. Es hat sich nicht einfach so aus Prozessen ergeben, sondern ist das Ergebnis einer historischen Intervention.
Deswegen ist es völlig berechtigt, keineswegs trivial und auch leider keine Selbstverständlichkeit, darauf hinzuweisen, dass sich Auschwitz nicht wiederholen darf und dass das was mit Kommunismus zu tun hat. Zu sagen: Nationalsozialismus ist kein Kommunismus/Sozialismus und in Auschwitz wurden auch Linke getötet, ist zwar richtig, aber als Replik auf die These völlig fehl am Platz.

Zu These II.4

4. Grundbedingung des Konzeptes Antifa ist die Forderung nach Waffen für Israel. Alle andere Israel-Solidarität ist Quark.

Hier ist pixelutopias Antwort sehr komisch. Allerdings will ich auch was zur „Rettung“(?) der These sagen. Also ob das die Grundbedingung des Konzepts Antifa ist, sei erstmal dahingestellt, der zweite Satz hingegen stimmt: Alle andere Israel-Solidarität ist Quark. Wer also „israelsolidarisch“ sein will, kann nicht prinzipiell gegen „Waffen für Israel“ sein. Allerdings ist das ein Phänomen, dass in meiner subjektiven Wahrnehmung zunehmend beobachtbar ist.
Nicht zu verwechseln mit: Alles was Israel macht, ist zu befürworten.

Im Anschluss wird die These Antifa=Israelsolidarität nochmal betont (und mit +USA-Sympathie ergänzt). Pixelutopia lässt hier zwei Deppenpunkte springen und spricht von Relativierung. Klar ist es Käse die USA als ewigen Hort des Antifaschismus zu sehen (und noch größerer Quatsch sie als das Gegenteil zu betrachten), und auch, dass es keinen „dritten Antifa-Weg“ gäbe, ist unhaltbar. Ich glaube aber, mit dem „dritten Weg“ ist etwas anderes gemeint. Die Alternativlosigkeit mit der diese These von AANO aber dargestellt wird, ist absurd. Da muss schon mehr kommen, um sie zu begründen (was unter bestimmten, gegebenen, Umständen möglich ist).
Und was pixelutopia gegen „Gewalt“ hat, wenn sie im Sinn der „eigenen Sache“ ist, wüsste ich auch gern.

Und jetzt noch ein paar Sachen herausgegriffen:

Die deutsche Wunderwaffe nach Auschwitz ist der antiimperialistische Frieden, der in seiner Langzeitwirkung bedrohlicher ist als jede militärische Intervention.

Dass Deutschland diese Strategie fährt, stimmt. Z.B. in Afghanistan, wo die BRD versuchte aufzutreten als „wir sind gar nicht so böse, wie die Amerikaner“ (gerade die Grünen haben das gepusht). Habe dazu mal einen sehr guten Beitrag gelesen, weiß aber nicht mehr wo. Der Einsatz für ein „Selbstbestimmungsrecht“ der Völker, statt sich irgendwie globalen Verhältnissen anzuschließen, kann reaktionär bis faschistisch sein. Ein Umstand, der bei der Betrachtung bundesrepublikanischer Außenpolitik gerne übersehen wird. Vielleicht nicht von Linksradikalen, aber da äußern sich ja noch mehr „Linke“. Also Zustimmung zu: „5. Der Bruch mit der globalen Volksfront ist notwendig.“ Klar werden da die, die nie Teil der globalen Volksfront sind, gar nicht erst angesprochen.

Und zur Bewahrung des „Bürgerlichen“. Selbstverständlich besteht ein Zusammenhang zwischen bürgerlicher Gesellschaft und ihrer Aufhebung in Faschismus und Nationalsozialismus. Genauso besteht ein Zusammenhang zwischen ihr und Sozialismus/Kommunismus/Anarchismus/whatever. Trotzdem verstehe ich die AANO-These hier nicht so ganz.

Mein Deppenscore für Warnemünde liegt also vielleicht insgesamt eher so bei 10-12?

Dafür hasse ich die Grünen

Die aktuelle Ausgabe der „Böll.Thema“: „Going Green“ ist ein Prachtstück verabscheuenswerter „grüner Ideologie“ im Sinne der grünen Parteien: Kleinbürgerlich und schnell bereit die Interessen der herrschenden Klasse zu vertreten. Denn wenn die Unterschrift von „Going Green“ „Trotz Kopenhagen – die grüne Zukunft hat schon begonnen“ heißt, ist damit nicht das grandiose Scheitern des Protests gemeint, sondern allen ernstes Ausdruck von Enttäuschung über den Verlauf der Konferenz.
Von der Querfront und Werbung für Wüstenkolonien… (mehr…)

Kurzweil: Majesty of Colors

Auf cthulhu.de habe ich dieses kleine Browsergame gefunden:


The Majesty of Colors

Erlebt wie es ist, die Wasseroberfläche aus der Sicht eines Tentakelmonsters zu sehen und trefft Entscheidungen (mit fünf unterschiedlichen Enden!).

Der Schöpfer des Cthulhu-Mythos an den das Spiel, aber vor allem das Blog anlehnt (und diverse Kurzgeschichten) ist H. P. Lovecraft, eigentlich ein ziemlich unangenehmer, rassistischer und verschrobener Kerl. Aber aus zwei Gründen, neben seinen beeindruckenden Geschichten, ist er interessant:

1. Gründen seine Geschichten auf dem Horror, der die Menschen erfasst, als sie begreifen, dass Universum groß, leer und sinnlos ist und eben nicht ein von Gott erschaffener Themenpark mit Paradies, Jungfrauen oder heiligem Krieg.

2. Aufgrund seiner Entrücktheit und Glorifizierung von Erhabenheit, Kunst und Wissenschaft, war er zeit seines Lebens Monarchist, da er glaubte, nur diese Form von gesellschaftlichen Zusammenseins könnte garantieren, dass nicht alles entleert, nicht alles banal wird. Später in seinem Leben war er aber überzeugt, dass auch der Sozialismus, diese Qualität hätte und aus anderen Gründen vermutlich vorzuziehen sei. (mehr…)

Gleicher Arbeitszwang für alle!?

„Gleicher Arbeitszwang für alle“ (Manifest der kommunistischen Partei)

So heißt es lapidar im 10-Punkte-Plan zur Errichtung der klassenlosen Gesellschaft.
Dieser Satz sorgt immer wieder für Streit, vor allem vor dem Hintergrund eines geforderten „Recht auf Faulheits“, riecht doch Arbeitszwang nach Zwangsarbeit, Arbeitslager und Totalitarismus. Was bewegte also Marx/Engels zur Formulierung dieser Forderung, die doch so reaktionär klingt, aber fortschrittlich sein soll?
Erklärungsversuche (mehr…)