Archiv der Kategorie 'Steinzeit Internet'

Rassismus in der SF – Bingo!

Ich hatte ja schonmal über Rassismus in der Science-Fiction geschrieben und habe jetzt eine unterhaltsame Gegenmaßnahme entdeckt:

A bingo card for arguments about whether or not racism can exist in fantasy and/or science fiction. (link)

rascism bingo

Gepostet wurde das auf io9.com, bei der Diskussion über den Vorschlag den neuen Spider-Man nicht mit einem weißen Schauspieler zu bedenken.

Ich denke auch, dass ein Charakter wie Spider-Man auch einen anderen Hintergrund vertragen könnte. Peter Parker ist vor allem Nerd – und das ist völlig unabhängig von Rasse, Klase oder Geschlecht.

Tauss-Verschwörung?

Bei netzpolitik taucht eine wilde Verschwörungstheorie auf, die sich aber jemand anderes ausgedacht hat: Schrozberg.

Der bloggt über die Tauss-Verschwörung.
Zur Erinnerung: Tauss war der Bundestagsabgeordnete, der als Gegner der Vorratsdatenspeicherungs von der SPD zu den Piraten wechselte und wegen des Besitz von Kinderpornographie angeklagt ist. Mehr findet ihr im Internet.

Jedenfalls entdeckt Schrozberg einiges von Brisanz:
- Politik und Justiz sind verfilzt!
- OppositionspolitikerInnen werden anders behandelt, als Regierende
- Tauss ist nicht bei der FDP

Alles nicht neu, und an Verschwörungen mutet es auch nicht an. Nur, dass um Tauss mehr Wirbel gemacht wird, als um andere Fuzzis. Da ist ja jetzt weniger das Problem, dass der Tauss-Prozess ein großes Echo hat, sondern der andere ein kleines.
Es geht jedenfalls darum Helden zu retten. Und Tauss ist ein Held für die Piraten-Welt.

Und Schrozberg erdreistet sich auch noch zu diesem Kommentar:

(es sind mir überhaupt irgendwie zuviele Frauen da mit dabei. Ausser dem Richter sinds nur Frauen. Ich denke das Landgericht hat doch ein Genderproblem. Die bräuchten da mal einen Männerbeauftragten)

ohne worte.

Der Ozean der Weisheit weint

Der Ozean der Weisheit, seine dümmlich grinsende Heiligkeit, der wiedergeborene Diktatur, der Dalai Lama: Er trauert.

HHDL offers his condolences to the people of Poland for the loss of President Kaczynski and all the others who died in the tragic air crash.

Da fehlen mir die Worte.

HHDL steht nicht für „Hab Heidi Dolle Lieb“, sondern eben für His Holyness Dalai Lama.
Und der Typ hat schon fast ’ne Viertelmillionen Follower auf twitter. Okay, ist nicht viel für das Netzwerk, aber immer noch zu viel für diese…. Unaustehlichkeit von Publikumsliebing.

re:publica – Sexismus im Netz

Auf der jüngst stattfindenden re:publica (BloggerInnen-Konferenz) gab es ein Panel mit dem Thema „Sexismus im Netz“. Anne Roth war dabei und berichtet über ihre Erfahrungen auf der re:publica. Dabei gab es wohl auch unangenehmes, aber meiner Meinung nach erwartbares (wenn auch nicht in dieser Qualität): die Kommentare im Chat zur Veranstaltung.

Anne Roth:

So ärgerlich ich finde, dass jetzt alle über den Chat reden statt über den Inhalt des Panels, so interessant und auch aussagekräftig (und deprimierend) ist die Debatte darüber, ob solche Kommentare überhaupt ein Indikator für Frauenfeinlichkeit im Netz seien. (Was denn sonst?).

Deshalb sei nochmal auf ihren ausführlichen Artikel hingewiesen, die Zusammenfassung des Panels und die einzige Frau bei dctp.tv.

Alles in allem, wird das weiterhin ein harter Kampf für die Blogerinnen.
Aber ihr seid nicht allein!

Erdbeben und Ideologie

Vor ungefähr einem Monat hat die Innsbrucker Professorin Claudia von Werlhof ein Interview (diestandard.at) gegen und über die zerstörende Wirkung des Kapitalismus gesprochen. Dabei ging es auch um das Erdbeben in Haiti:

Werlhof: Ja, dass es ein künstlich produziertes Erdbeben gewesen sein könnte.
Standard: Wie das?
Werlhof: Im Projekt HAARP, einem Militärforschungszentrum in Alaska, wurden auf Grundlage der Tesla-Technologie (Nikola Tesla, kroatisch-amerikanischer Erfinder unter anderem den Wechselstroms entwickelte) Earthquake Machines hergestellt, die künstliche Erdbeben hervorrufen. Sie werden benutzt, um Erdölreserven aufzuspüren. Zwischen Haiti und Kuba soll es große Ölreserven geben, also könnte das Erdbeben in Haiti maschinell erzeugt worden sein, um die militärische Besetzung des Landes durch US-Truppen zu ermöglichen. Als Nebeneffekt werden unbotmäßige Regierungen wie etwa jene von Hugo Chavez in Venezuela unter Druck gesetzt.

Da helfen selbst die guten Dinge, die sie sagt nicht drüber weg: Es stimmt nicht. Und es ist Verschwörungstheorie.

Dann kam die Kommunistische Partei Österreichs und versuchte von Werlhof zu verteidigen:

Werlhof wird Unwissenschaftlichkeit vorgeworfen, weil sie Mutmaßungen anhand von belegbaren Fakten anstellt, während Karlhofer und Co. in der österreichischen Presse als Polit-Auguren fungieren und mit Mutmaßungen aufwarten die in ihrem Gehalt weitaus weniger wissenschaftlich sind als die Überlegungen Werlhofs. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen.

Auch dieser Text ist sonst gar nicht so dumm, außer der Tatsache, dass von Werlhof eben keine Fakten oder Belege für ihre Theorie vorweisen kann. Und die KPÖ sich so leider blamiert. Die Beißreflexe und Klischee-Vorwürfe gehen also auf allen Seiten munter weiter.

Astrodictum, eins der science-blogs. begleitete die Diskussion schon eine Weile kritisch und teilweise sogar mit Argumente; doch lehnte sich dann auch aus dem Fenster:

Aber das ist auch völlig unerheblich – denn die Entstehung von Erdbeben wird von der Geophysik erforscht. Und der sind „kapitalistisches Patriarchat“ und ähnliches völlig egal.

Der erste Satz ist völlig richtig, der zweite falsch. Die KPÖ versucht dass dann auch zu sagen, aber scheitert: Es werden Äpfel mit Birnen verglichen. Wissenschaftliche Methoden und Wissenschaftsbetrieb sind nicht das gleiche. Astrodictum spricht vom ersten, die KPÖ nur vom zweiten. Und hat so keinen guten Stand.

Wissenschaft ist nicht ideologiefrei. Da können Piraten, Science-Nerds oder WissenschaftlerInnen so viel lamentieren wie sie wollen. Nicht nur über direkte „Korruption“, also Drittmittel wird Forschung nach bestimmten Interessen gelenkt, sondern auch die ganze Konzeption der bürgerlichen Wissenschaft ist ideologisch. Ihre „Unabhänigkeit“, ihre Verabsolutierung, ihr ExpertInnentum, ihre Unreflektiertheit (Affirmation der bestehenden Verhältnisse) ist zutiefst bürgerlich und nicht im Sinne der Mehrheit der Menschen.
Aber gerade der Wissenschaftsbetrieb, die „Produktion von Wissen“ ist ja das Kernstück. Skandale im Verlagswesen und ähnliches zeugen, dass das Märchen der „freien Wissenschaft“ eben nur ein Märchen ist, das nie wirklich war. Es lenkt nur ab, ist eben Schein.

Dem müssen wir uns bewusst sein, wenn wir wissenschaftlich arbeiten. Die Antwort kann nämlich nicht sein, all das über Bord zu werfen. Im Gegenteil: Wir müssen die Wissenschaft von ihren Fesseln befreien! Sie demokratisieren und in den Dienst der Menschheit stellen.

Das tun wir aber nicht, in dem wir Behauptungen ohne Belege aufstellen. Und keine sollte sich wundern, dass sie gescholten wird, wenn sie derartige Verschwörungstheorien auftischt, wie von Werlhof. Das ist auch keine gute Wissenschaftskritik, KPÖ!

Piratinnen und andere Argumente gegen die Partei

Viele haben die Diskussion, um die Piratinnen mit dem Spruch „Klarmachen zum Gendern!“ schon mitbekommen. Maedchenmannschaft fasst den Prozess wunderbar zusammen und darauf wollte ich aufmerksam machen. Solidarität mit den Piratinnen! Piraten fail

Außerdem gibt’s noch ein Reihe anderer Argumente gegen diese Partei, die zeigen, warum sie nicht links oder emanzipatorisch ist. Vielmehr stimmt die Aussage des Bundesvorstands: „Wir sind eine bürgerliche Partei, denn wir sind für Bürgerrechte.“ Das ist zur aktuellen Zeit zwar fast schon einzigartig, aber eben noch kein gutes Argument für die Piraten-Partei.
Die folgende Liste der Argumente gegen sie ist nicht vollständig. (mehr…)

State of the Internet 2010

JESS3 / The State of The Internet from Jesse Thomas on Vimeo.

(via netzpolitik)