Archiv der Kategorie 'Maschinen'

Die Welt der Roboter!

worldofrobots

Eine großartige Grafik über Roboter, ihre Verbreitung und ihre industrielle Bedeutung. (via) (mehr…)

Anarchistische Technologie-Politik?

Hier und Jetzt CoverHier und Jetzt – Anarchistische Theorie und Praxis“ heißt die deutsche Fassung eines Buches von Uri Gordon, das im Original den Titel „Anarchy Alive! Anti-Authoritarian Politics from Practise to Theory“ trägt. Im Grunde ist das Buch ein Rundumschlag auf aktuelle Themen politischer Auseinandersetzung und zumindestens von den Kapitelüberschriften sehr interessant. Ich persönlich habe aber nur Kapitel 5 über Anarchismus und Technologie gelesen.

Uri Gordon beginnt vielversprechend, in dem er die Ambivalenz im Umgang mit Technologie betont: Auf der einen Seite nutzen „wir“ täglich und gerne einen Haufen moderner Hochtechnologie und andererseits sind wir „uns“ der Problematik bewusst: Heute Technologie sorgt „für die Aufrechterhaltung und Absicherung eines Kräfteverhältnisses“ (S. 178).
Was folgt ist die Darstellung einiger anarchistischer Praxen, die sich allerdings auf die Befreiung von Feldern beschränkt und dann der deutlich interessantere Teil: Kann Technologie denn noch etwas anderes, als Menschen unterdrücken?

Die Antwort von Uri Gordon ist ganz einfach: „Nein.“ Was ihn aber nicht daran hindert, Technologie zu nutzen und eine „subversive Mikropolitik“ zu entwickeln (er bezieht sich hier auf Xabier Barandiaran).
Für Gordon ist Summe aller Technologie ein „gesellschaftliches Projekt zum durchrationalisierten Aufbau von Überschüssen und Kapazitäten“ (S. 197) und es ist unmöglich moderne Technik dezentral ohne autoritäre Kontrolle zu nutzen (vgl. 195).
Das wundert nicht weiter, denn schon zu Beginn des Artikels „outet“ sich Gordon als Anarcho-Primitivist, eine Strömung, die er keineswegs diskreditieren möchte. Der Anarcho-Primitivismus zeichnet sich seiner Meinung nach durch folgendes aus:

- sehr starker, politischer, ökologischer und spiritueller Antagonismus gegenüber industrieller Entwicklung, Technologie und Hypermoderne
- Liebe zur unberührten Natur, ökofeministisches Bewusstsein und naturverbundene, nichtwestliche Spiritualität
- eine „maximalistische“ anarchistische Kritik an der auf Hierachien beruhenden Zivilisation und ihrer Geschichte („His-tory“) von Dominanz und Zerstörung seit den Anfängen von Domestizierung, Landwirtschaft und Staat
- eine Wiederentdeckung und Wertschätzung der Jäger- und Sammlergesellschaft als Ort primitiver – egalitärer, friedfertiger, müßiggängerischer, ekstatischer und mit den Kreisläufen der Natur verbundener – Anarchie.

Kurz: ein anti-modernistisches Weltbild, dass Geschichte nur als Verfallsgeschichte denken kann.
Gordon stellt fest, dass sich diese Position aber schlecht für eine Diskussion über Technologie eignet, versucht sich davon zu lösen, schafft es aber nicht. Weshalb dann auch der durchaus gut zu lesende Text, der sicherlich nicht dumm ist und einige gute Analysen beinhaltet, am Ende auf nichts anderes hinausläuft als: Permakultur.

Trotzdem ist es beeindruckend, dass Gordon sich auf der Höhe der Zeit befindet. Nicht nur, was die bewerteten Technologien (Nano-Technik, freie Software, Commons) betrachtet, sondern auch, dass er nicht nur vergilbte anarchistische „Theoretiker“ (wie Proudhon z.B.) zitiert, sondern es schafft sogar Nach-Kriegs-Überlegungen einzubeziehen (bspw. Marcuse oder Foucault). Das hatte ich nicht erwartet.

Dies bedarf also einer weiteren Auseinandersetzung. Denn überzeugen tut Gordon nicht, dafür fehlt es ihm einfach an Argumenten. Und er bräuchte schon gute. Die Selbstverständlichkeit mit der aber Alternativen zur „low-tech-Magie“ (vgl. 197ff) als unmöglich deklariert, alarmiert.

So sage ich mit Gordon: Gegen blinden Fortschrittsglauben!
Und gegen Gordon: Für begründete Fortschrittshoffnung! Für eine Gesellschaft in der die Technik nicht der gegenseitigen Unterdrückung der Menschen dient!

Und Blinde könnten sehen

WissenschaftlerInnen aus Australien haben vorvorgestern ihren Stand bei der Entwicklung eines „Bionic Eyes“, also einer Netzhaut-Prothese präsentiert. Dieses Implantat, dass in den Augapfel eingepflanzt werden soll, soll Erblindeten in Kombination mit einer speziellen Brille ermöglichen, wieder sehen zu können, mehr oder weniger. In die Brille werden Kameras eingebaut, die dann Signale an den Chip senden, der dann wiederum Signale in die Nerven einspeist und so, hoffentlich, ein Bild im Kopf entstehen lässt.

“We anticipate that this retinal implant will provide users with increased mobility and independence, and that future versions of the implant will eventually allow recipients to recognise faces and read large print,” he says. BionicVisionAustralia

(via futurismic: sci-fi no more)

Digital Didgeridoo

Wirklich abgefahren. Ich bin ja ein großer Fan von solchen Projekten und dieses hier zeigt eindrucksvoll, dass so ein Instrument geschaffen wird, das neues ermöglicht. Es scheppert aber ein wenig arg.

Electronically Modified Didgeridoo – Kyle Evans from Kyle Evans on Vimeo.

(via crazy machines)

Die Deutschen Drohnen

repost
Vor zwei Jahren berichtete schon kai raven über die Pläne der Bundeswehr die deutsche Drohnenflotte zu vergrößern (inkl. vieler Bilder). Und zwar mit zahlreichen Modellen sogenannter MALE-Drohnen (medium altitude, long endurance). Die meisten sollen Aufklärungsdrohnen sein und dann wohl einmal das Ablösen was aktuell Tornados in Afghanistan oder Heiligendamm so tun.
Mit dem entscheidenden Vorteil, dass die Dinger leiser, kleiner, dauerhaft filmen können (also nicht nur wenige Sekunden beim schall-schnellen Überflug) und jede Menge Technik in die hässlichen Knubbel eingebaut werden kann.

Schauen wir auf die Webseite des Bundesamts für Wehrtechnik und Beschaffung, stellen wir fest, dass an den Plänen noch festgehalten wird. So sind in Meppen neben Panzerfäusten auch Drohnen im Schießbetrieb, d.h. SoldatInnen der Bundeswehr üben hier auch das Töten mit Drohnen.

AirRobot Drohne. Bild via kai raven.
(Bild via kai raven aus der AirRobot-Infobroschüre)

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Erdbeben und Ideologie

Vor ungefähr einem Monat hat die Innsbrucker Professorin Claudia von Werlhof ein Interview (diestandard.at) gegen und über die zerstörende Wirkung des Kapitalismus gesprochen. Dabei ging es auch um das Erdbeben in Haiti:

Werlhof: Ja, dass es ein künstlich produziertes Erdbeben gewesen sein könnte.
Standard: Wie das?
Werlhof: Im Projekt HAARP, einem Militärforschungszentrum in Alaska, wurden auf Grundlage der Tesla-Technologie (Nikola Tesla, kroatisch-amerikanischer Erfinder unter anderem den Wechselstroms entwickelte) Earthquake Machines hergestellt, die künstliche Erdbeben hervorrufen. Sie werden benutzt, um Erdölreserven aufzuspüren. Zwischen Haiti und Kuba soll es große Ölreserven geben, also könnte das Erdbeben in Haiti maschinell erzeugt worden sein, um die militärische Besetzung des Landes durch US-Truppen zu ermöglichen. Als Nebeneffekt werden unbotmäßige Regierungen wie etwa jene von Hugo Chavez in Venezuela unter Druck gesetzt.

Da helfen selbst die guten Dinge, die sie sagt nicht drüber weg: Es stimmt nicht. Und es ist Verschwörungstheorie.

Dann kam die Kommunistische Partei Österreichs und versuchte von Werlhof zu verteidigen:

Werlhof wird Unwissenschaftlichkeit vorgeworfen, weil sie Mutmaßungen anhand von belegbaren Fakten anstellt, während Karlhofer und Co. in der österreichischen Presse als Polit-Auguren fungieren und mit Mutmaßungen aufwarten die in ihrem Gehalt weitaus weniger wissenschaftlich sind als die Überlegungen Werlhofs. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen.

Auch dieser Text ist sonst gar nicht so dumm, außer der Tatsache, dass von Werlhof eben keine Fakten oder Belege für ihre Theorie vorweisen kann. Und die KPÖ sich so leider blamiert. Die Beißreflexe und Klischee-Vorwürfe gehen also auf allen Seiten munter weiter.

Astrodictum, eins der science-blogs. begleitete die Diskussion schon eine Weile kritisch und teilweise sogar mit Argumente; doch lehnte sich dann auch aus dem Fenster:

Aber das ist auch völlig unerheblich – denn die Entstehung von Erdbeben wird von der Geophysik erforscht. Und der sind „kapitalistisches Patriarchat“ und ähnliches völlig egal.

Der erste Satz ist völlig richtig, der zweite falsch. Die KPÖ versucht dass dann auch zu sagen, aber scheitert: Es werden Äpfel mit Birnen verglichen. Wissenschaftliche Methoden und Wissenschaftsbetrieb sind nicht das gleiche. Astrodictum spricht vom ersten, die KPÖ nur vom zweiten. Und hat so keinen guten Stand.

Wissenschaft ist nicht ideologiefrei. Da können Piraten, Science-Nerds oder WissenschaftlerInnen so viel lamentieren wie sie wollen. Nicht nur über direkte „Korruption“, also Drittmittel wird Forschung nach bestimmten Interessen gelenkt, sondern auch die ganze Konzeption der bürgerlichen Wissenschaft ist ideologisch. Ihre „Unabhänigkeit“, ihre Verabsolutierung, ihr ExpertInnentum, ihre Unreflektiertheit (Affirmation der bestehenden Verhältnisse) ist zutiefst bürgerlich und nicht im Sinne der Mehrheit der Menschen.
Aber gerade der Wissenschaftsbetrieb, die „Produktion von Wissen“ ist ja das Kernstück. Skandale im Verlagswesen und ähnliches zeugen, dass das Märchen der „freien Wissenschaft“ eben nur ein Märchen ist, das nie wirklich war. Es lenkt nur ab, ist eben Schein.

Dem müssen wir uns bewusst sein, wenn wir wissenschaftlich arbeiten. Die Antwort kann nämlich nicht sein, all das über Bord zu werfen. Im Gegenteil: Wir müssen die Wissenschaft von ihren Fesseln befreien! Sie demokratisieren und in den Dienst der Menschheit stellen.

Das tun wir aber nicht, in dem wir Behauptungen ohne Belege aufstellen. Und keine sollte sich wundern, dass sie gescholten wird, wenn sie derartige Verschwörungstheorien auftischt, wie von Werlhof. Das ist auch keine gute Wissenschaftskritik, KPÖ!

Die Sklaven der Zukunft

Der folgende Artikel erschien in der Juli/August-Ausgabe der „links“ im Jahr 1971 unter dem Titel „Sklaven, Arbeiter und Automaten“. Nicht nur, dass der Artikel nichts an Aktualität verloren hat (selbst die technische Entwicklung wiederholt sich, siehe Video unten) und dass hier eine relativ brauchbare Einschätzung technischen Fortschritts geliefert wird: der Autor formuliert auch zentrale Fragen, die die gesellschaftliche Relevanz der Forschung deutlich machen. Viel Spaß. [Alle Hervorhebungen von mir.]

„Vor einiger Zeit konnte man in der Tagespresse eine Notiz lesen, die wie selbstverständlich über eine neue Erfindung berichtete. In Roßdorf bei Darmstadt ist es einer Elektronikfirma, „Kypertronik“, gelungen, eine so genannte Androidenhand zu konstruieren, eine dem menschlichen Vorbild nachgeahmte Metallhand, die zu kompliziertesten Arbeitsverrichtungen fähig sein soll. Der Geschäftsführer der Firma hat erklärt: „In etwa 15 Jahren lauf hier perfekte Androiden herum“. (mehr…)