Archiv der Kategorie 'Marburg'

Rechtswissenschaft stinkt!

Im wahrsten Sinne des Wortes. Oder: Von wegen „Hässlichkeit der deutschen Linken“

Wenn ich noch einmal jemand höre, der über Linke, Zecken, besetzte Häuser schimpft, dass sie so dreckig und unhygienisch seien, dann verweise ich ihn mal an das juristische Seminar in Marburg.
Viel zu oft bekommen Orte der Gegenkultur Vorwürfe über ihren Zustand, da wird die Nase gerümpft und mit den Augen gerollt. Manche Linke fühlen sich vom alternativen Spektrum sogar so angeekelt, dass sie es verlassen wollen. Raus aus den Szenekneipen, raus aus den politischen WGs, rein in die Welt der Schönen? Justus Wertmüller zum Beispiel ist so einer, der gerne über die schon äußerliche Hässlichkeit der Linken schimpfte (für das Interview hier klicken). Das Blog „Marburger Zustände“ sieht das vielleicht an manchen Stellen ähnlich für die Orte und Leute in Marburg.

Aber auch andere flüchten sich gerne raus in den Mainstream oder spießigere Teile der bürgerlichen Welt. Schon in den 80ern wurde dieser Impuls beobachtet: Raus aus der Sponti-Szene, rein in die disziplinierten K-Gruppen. Schluß mit langen Haaren und Lotterleben. Jetzt schon und ordentlich. Doch dass die Linke dreckiger sei, als andere Orte, ist ein Trugschluß.

Davon konnte ich mich jetzt leibhaftig überzeugen. Im Savigny-Haus, ein Gebäude des Fachbereich Rechtswissenschaften der Uni Marburg, gibt es eine Bibliothek und die hat Toiletten. Zwar wird hier regelmäßig geputzt. Doch schon nach wenigen Stunden nach Öffnung des Gebäudes stinken diese Räumlichkeiten schrecklich! Ob „Herren“ oder „Damen“ Toilette. Sie sind hässlich anzuschauen und der Gestank ist nicht auszuhalten. In den Pissoirs steht gelbe Pisse mit Schaum bis zum Rand, in den Kloschüsseln schwimmen noch Würste und Spritzer sind verteilt, alles ist voller Klopapier, auf den Frauentoilette auch blutiges.
Und dazu die Klosprüche! Zum einen ist alles genauso voll gekritzelt wie auf einem Klo der Politikwissenschaft. Dass dort also weniger Hang zum Ordentlichen sei, als bei den Jurist_innen kann niemand behaupten. Im Gegenteil wird dort die Spültaste gedrückt und die Sprüche sind nicht so schlimm. In der Überzahl wird dort gegen Migrant_innen, Homosexuelle und Jüd_innen gehetzt, teilweise zum Mord aufgerufen. Klar, in der Philosophischen Fakultät gibt’s sowas auch, oder es wird zur Gewalt gegen Nazis aufgerufen. Aber das ist meistens doch ein anderes Kaliber.

Da kann noch so viel Rouge auf den Wangen sein, noch so viel echtes Leder in den Schuhen: Außen hui, innen pfui! Von wegen Hässlichkeit der Linken! Auch die „bürgerliche Mitte“ oder Rechte, oder wer auch immer, also die Jura-Studis, die alles andere als mehrheitlich alternativ geprägt sind, stinken, machen Dreck. Und hier würde ein „Do-It-Yourself“-Putzschrank, wie es ihn z.B. im „New York/Bethanien“ in Berlin gibt, nicht funktionieren.

Zum Beweis ein paar Fotos, aber nur für Leute mit starkem Magen. Deshalb erst nach dem „Klick“. (mehr…)

Zivilklausel – Ein Ärgernis?

Eine Zivilklausel an den Unis schadet deshalb zwar nicht.

Dieser Satz fällt im letzten Absatz des jüngsten und lesenswerten Beitrags des Blogs „Lea“: Krieg den Hütten, Friede den Unis
Vorher wurde über den Unsinn und die Lächerlichkeit der Bestrebungen geschrieben, die sogenannte Zivilklausel an der Uni-Frankfurt zu etablieren. Die Zivilklausel besagt grob, dass Forschung an Hochschulen nur zivilen, d.h. nicht militärischen Zwecken dienen soll. Anders gesagt: Keine Kriegsforschung, keine Rüstung, kein Militär-Equipement.

Lea denunziert die Pazifisten erfolgreich als staatsgläubig, naiv, kleinbürgerlich, vergessen. Und auch hier in Marburg gibt es Zivilklausel-Bewegte, deren merkwürdigen Motive sicherlich in diese Kategorie fallen. Warum dann aber am Ende doch diese Wendung? Nun, das Problem scheint weniger die Zivilklausel, als die Pazifisten zu sein. Und Pazifisten sind und waren schon immer ein merkwürdiger Haufen. Was ist aber die Schlußfolgerung? Zivilklausel in den Papierkorb? Nein.
Zu schnell käme da auch der Ruf des Bellzismus.

In der berechtigten Kritik steckt auch fragwürdiges: Warum sollte das militärische Engagement der Allierten, die das hochgerüstete Deutschland nur mit Hilfe eigener Militärforschung niederringen konnten, ein Argument für deutsche Kriegsforschung sein? Die Bundesrepublik ins militär-technologische Neolithikum zu zwingen kann so falsch nicht sein. Tatsächlich auch aus einer antifaschistisch-antideutschen Gesinnung heraus. Gerade dann, wenn man sich Kontinuitäten deutscher Außenpolitik anschaut.

Am Ende holt Lea noch zu einem Rundumschlag aus: Solange die Gesellschaft nicht befreit ist, macht es keinen Sinn, den Krieg abschaffen zu wollen. Davon bin ich noch nicht ganz überzeugt. Zum Schluß reihe ich mich selbst mal ins unkommentierte Zitate-Posten ein:

Man kann nur dem Ganzen helfen

Sei mißtrauisch gegen den, der behauptet, daß man entweder nur dem großen Ganzen oder überhaupt nicht helfen könne. Es ist die Lebenslüge derer, die in der Wirklichkeit nicht helfen wollen und die sich vor der Verpflichtung im einzelnen bestimmten Fall auf die große Theorie hinausreden. Sie rationalisieren ihre Unmenschlichkeit. Zwischen ihnen und den Frommen besteht die Ähnlichkeit, daß beide durch „höhere“ Erwägungen ein gutes Gewissen haben, wenn sie dich hilfslos stehen lassen.
(Max Horkheimer, Dämmerung)

Piraten! – mal wieder richtig doof

Vor einiger Zeit habe ich schonmal über darüber gebloggt, warum die Piratenpartei keiner Solidarität würdig ist: Piratinnen und andere Argumente gegen die Partei (in eine ähnliche Richtung geht auch der hier).
Doch sie hören nicht auf…

Ganz in meiner Nähe, in Frankenberg-Waldeck, hat der „Oberpirat“ Sascha Brandhoff einen offenen Brief an die Nationalen Sozialisten geschrieben.

Die Frage ist, ob ihr die Eier in der Hose habt und eure Anonymität aufgebt, oder ob ihr Angst um Leib und Leben habt? Ich versichere euch, dass keiner von uns hinter der nächsten Hauswand stehen wird, um euch brutal zu überfallen und ich verspreche auch, dass ich diese Cyber-Legion von Anonymous-Aktivisten zurückzuhalten werde, die euch mit Kabeln erdrosseln oder mit Tastaturen niederprügeln könnte. Kleiner Spaß mit den Anonymous-Aktivisten: Abseits ihres Computers und vor allem der Pizzeria sind die überhaupt nicht lebensfähig, deren Kryptonit ist Sonnenlicht und Sauerstoff, kurz SS.

Der Brief ist offensichtlich vor allem eins: saudumm. Vor allem weil er die Nationalen Sozialisten krass verharmlost. Die Piratenpartei beweist auf ein Neues, dass ihr Politik-Verständnis zurückgeblieben ist. Diesmal: Neonazis sind alle dumme Glatzen, die auf die Hauptschule gehen und es bloß nicht besser wissen.
Klar, es könnte auch mutig von Sascha sein, aber ist es nicht, wie die weitere Auseinandersetzung zeigt.

Denn lisa2 aus Marburg schrieb einen Flyer gegen die Piraten: „Piraten schlagen rechten Kurs ein“.
Und darauf hat Sascha Brandhoff auch wieder geantwortet, wieder in einem offenen Brief.

Dass er nichts versteht, zeigt er bei aller berechtigter Kritik an lisa2 schon im ersten Absatz:

Deshalb habe ich leider nicht die gleichen Möglichkeiten wie ihr. Ich kann mich nicht in die Anonymität flüchten.

Was er meint ist, das übliche: Ihr bösen anonymen Basher im Internet, steht doch dazu!

Trotzdem macht es weder die Piraten noch Sascha selbst zu Nazis. Selbst wenn er sie auf ein Bier einlädt.
Wer glaubt, Nazis durch Dialog und Einbindung zähmen zu können, wer glaubt, man könnte sie kontrollieren, wer glaubt, man könnte Nationalsozialismus in kleinen Dosen durchaus gebrauchen nur übermäßig dürfte der Konsum nicht werden, wer glaubt er wäre einer nationalsozialistischen Bewegung gewachsen und könnte ihr demokratisch begegnen, der hat nicht aus der Geschichte gelernt.

Mehr noch. Schon vor dem 3. Reich hätten alle wissen können, dass das Quatsch ist. Die Nazis haben nie einen Hehl aus ihren Zielen gemacht. Heute machen sie es mehr als damals, nichtsdestotrotz sind sie offenbar.

Das wird immer einer der besten Witze der Demokratie bleiben, dass sie ihren Todfeinden die Mittel selbst stellte, durch die sie vernichtet wurde. Die verfolgten Führer der NSDAP traten als Abgeordnete in den Genuß der Immunität, der Diäten und der Freifahrkarte. Damit waren sie vor dem Angriff der Polizei gesichert u. durften sich mehr zu sagen erlauben als gewöhnliche Staatsbürger, u. ließen sich außerdem die Kosten ihrer Tätigkeit vom Feinde bezahlen.“ (Josef Goebbels)

ALERTA ANTIFASCISTA!

Jüngst

Letzte Woche war Daniel Kulla im Havanna8, Lahntor 2 in Marburg und hielt einen Vortrag mit dem Titel „Leben im Rausch“. Ein dem Vortrag ähnliches Video ist auf seiner Webseite verlinkt.

Dabei ließ er [danke M!] eine Ausgabe des Hefts „das große Thier“ da, welches ein einigen Stellen sehr interessant ist. Zumal ein Thema behandelt wird, dass wichtiger kaum sein könnte: Ungarn. Im Heft wird vor allem auf den Kampf der Regierung gegen die Organisierung der Arbeiterklasse eingegangen und deutlich ausgesprochen, dass es in Ungarn Arbeitslager gibt.

Was soll ich bloß machen?