auch schnell notiert: Israelsolidarität in Warnemünde

Oha. Pixelutopia amüsiert sich gerade auf blogspot über die Antifa Warnemünde und teilt ihr den Deppenscore 17,5 zu. Ich finde, er macht es sich an einigen Stellen zu einfach.

Zu These I.2, dass zum Marx’schen Imperativ „alle Verhältnisse umzustoßen, in denen lalala“ sich nach Auschwitz auch immer Adornos das es sich nicht „wiederhole, nichts ähnliches geschehe“ gesellen müsse, mehr noch, dass letzterer sogar ersteren „umstülpe“, schreibt pixelutopia: „Kann ich nicht doch ein bisschen Holocaust zu meinem Kommunismus haben?“
Also auch ich Stimme Adorno zu, dass wir heute diesen kategorischen Imperativ befolgen müssen. Und wenn wir uns überlegen, was Auschwitz mit dem Menschen als „geknechtetes, verächtliches Wesen“ zu tun hat, und welche Bedingungen der Nationalsozialismus hat, dann ist es doch gar nicht so weit hergeholt. Wie sonst soll denn dauerhaft ein zweites Auschwitz verhindert werden, wenn nicht nur durch die menschliche Emanzipation? Gleichzeitig steckt im politisierenden Engagement, dass die Sachzwänge dekonstruiert und den Willen an ihre Stelle setzt, die Gefahr des „Umschlagens“. Auch im NS wurde Politik gemacht und zwar anders, als in der BRD. Es hat sich nicht einfach so aus Prozessen ergeben, sondern ist das Ergebnis einer historischen Intervention.
Deswegen ist es völlig berechtigt, keineswegs trivial und auch leider keine Selbstverständlichkeit, darauf hinzuweisen, dass sich Auschwitz nicht wiederholen darf und dass das was mit Kommunismus zu tun hat. Zu sagen: Nationalsozialismus ist kein Kommunismus/Sozialismus und in Auschwitz wurden auch Linke getötet, ist zwar richtig, aber als Replik auf die These völlig fehl am Platz.

Zu These II.4

4. Grundbedingung des Konzeptes Antifa ist die Forderung nach Waffen für Israel. Alle andere Israel-Solidarität ist Quark.

Hier ist pixelutopias Antwort sehr komisch. Allerdings will ich auch was zur „Rettung“(?) der These sagen. Also ob das die Grundbedingung des Konzepts Antifa ist, sei erstmal dahingestellt, der zweite Satz hingegen stimmt: Alle andere Israel-Solidarität ist Quark. Wer also „israelsolidarisch“ sein will, kann nicht prinzipiell gegen „Waffen für Israel“ sein. Allerdings ist das ein Phänomen, dass in meiner subjektiven Wahrnehmung zunehmend beobachtbar ist.
Nicht zu verwechseln mit: Alles was Israel macht, ist zu befürworten.

Im Anschluss wird die These Antifa=Israelsolidarität nochmal betont (und mit +USA-Sympathie ergänzt). Pixelutopia lässt hier zwei Deppenpunkte springen und spricht von Relativierung. Klar ist es Käse die USA als ewigen Hort des Antifaschismus zu sehen (und noch größerer Quatsch sie als das Gegenteil zu betrachten), und auch, dass es keinen „dritten Antifa-Weg“ gäbe, ist unhaltbar. Ich glaube aber, mit dem „dritten Weg“ ist etwas anderes gemeint. Die Alternativlosigkeit mit der diese These von AANO aber dargestellt wird, ist absurd. Da muss schon mehr kommen, um sie zu begründen (was unter bestimmten, gegebenen, Umständen möglich ist).
Und was pixelutopia gegen „Gewalt“ hat, wenn sie im Sinn der „eigenen Sache“ ist, wüsste ich auch gern.

Und jetzt noch ein paar Sachen herausgegriffen:

Die deutsche Wunderwaffe nach Auschwitz ist der antiimperialistische Frieden, der in seiner Langzeitwirkung bedrohlicher ist als jede militärische Intervention.

Dass Deutschland diese Strategie fährt, stimmt. Z.B. in Afghanistan, wo die BRD versuchte aufzutreten als „wir sind gar nicht so böse, wie die Amerikaner“ (gerade die Grünen haben das gepusht). Habe dazu mal einen sehr guten Beitrag gelesen, weiß aber nicht mehr wo. Der Einsatz für ein „Selbstbestimmungsrecht“ der Völker, statt sich irgendwie globalen Verhältnissen anzuschließen, kann reaktionär bis faschistisch sein. Ein Umstand, der bei der Betrachtung bundesrepublikanischer Außenpolitik gerne übersehen wird. Vielleicht nicht von Linksradikalen, aber da äußern sich ja noch mehr „Linke“. Also Zustimmung zu: „5. Der Bruch mit der globalen Volksfront ist notwendig.“ Klar werden da die, die nie Teil der globalen Volksfront sind, gar nicht erst angesprochen.

Und zur Bewahrung des „Bürgerlichen“. Selbstverständlich besteht ein Zusammenhang zwischen bürgerlicher Gesellschaft und ihrer Aufhebung in Faschismus und Nationalsozialismus. Genauso besteht ein Zusammenhang zwischen ihr und Sozialismus/Kommunismus/Anarchismus/whatever. Trotzdem verstehe ich die AANO-These hier nicht so ganz.

Mein Deppenscore für Warnemünde liegt also vielleicht insgesamt eher so bei 10-12?


4 Antworten auf „auch schnell notiert: Israelsolidarität in Warnemünde“


  1. 1 pixel 05. April 2011 um 13:33 Uhr

    Okay, darüber kann man diskutieren!

    Zu 1.: Ich finde deinen Punkt mit dem Umschlagen nicht ganz deutlich – das klingt als wäre das Engagment für ein freie Gesellschaft per-se von dem Umschlag ins Faschistische bedroht, quasi als eine dem Prozess inhärente Disposition, was du anschließend selbst wieder verneinst, indem du von einer Intervention sprichst, was ja auch richtig ist. Ich persönlich finde diesen speziellen Absatz bei AANO einfach redundant, der Holocaust hat sich nicht wegen einer linken Revolution ereignet, sondern wegen ihrem Ausbleiben bzw. ihrer Niederschlagung. Alles andere zu behaupten scheint mir die Geschichte zu verdrehen. So wie du das wendest, nämlich dass der adornitische Imperativ zangsläufig den marxschen enthalten muss, würde ich dem zustimmen. Aber irgendwie finde ich das immernoch – nunja – trivial. Dass universelle Emanzipation und Menschenvernichtung zum Zweck der nationalen Reinheit Gegensätze formen scheint mir schon in der Sache angelegt und daher nicht weiter erwähnenswert – ausser man will damit seltsame Dinge implizieren.

    2. Um meine ironisch vorgetragene Kritik an dem Absatz deutlicher zu machen: Es ist von der Sache her Unsinn Waffen für Israel zu fordern, da Israel bereits Waffen hat und bekommt. Das ist wie schwarze Kapus für die Antifa fordern, oder Tastaturen für Blogger. Was mir an dieser Art des Forderns, die meiner Ansicht nach einen ganz eigenen Modus hat, besonders aufstößt (was ich nicht explizit gemacht habe ist folgendes:
    1. Frage ich mich wer überhaupt der Adressat dieser Forderung sein soll. Deutschland? Der Zeitgeist? 2. Scheint mir, indem von der Realität nur das gefordert wird, was sie ohnehin zu bieten hat, der Status Quo und das Vernünftige in eins zu fallen, also eine Wendung zum Konservativismus statt zu finden.

    3. Mir ging es darum, die Tendenz der deutsch-linker Sektierer zu kritisieren, sich mit irgendwelchem geschichtsphilosophischen Humbug begründet irgend ein Solidarisierungsobjekt zu suchen und in Konsequenz systematisch Gewaltverhältnisse und Menschenrechtsverletzungen zu relativieren – obwohl dies dem eigenen Anspruch nicht bloß das Paritkulärinteresse einer Nation zu vertreten sondern für globale Emanzipation einzutreten wiederspricht. Die Objekte scheinen dabei austauschbar zu sein: Sovietunion, Albanien, China oder Israel. Was Gewalt angeht ist ihre Anwendung immer ein Ritt auf der Rasierkling, da sie droht dialektisch auf denjenigen zurückzuwirken, der sie ausübt. Sie ist daher immer problematisch, auch wenn sie manchmal das kleinere Übel sein mag.

    4. Dass eine Strategie Deutschlands ist, sich als Friedenswahrer aufzuspielen, ist richtig, ist dies aber doch letztendlich eine ideologische Verbrämung zu der es bei anderen Mächten entsprechungen gibt, die zwar anders lautend sind aber doch den selben Zweck haben. All dies kann nicht davon ablenken, dass Deutschland im 21. Jahrhundert eine Weltmacht ist, die grundsätzlich bereit ist sich mithilfe von Krieg geltung zu verschaffen und ihre Interessen durchzusetzen. Wer soll eigentlich die globale Volksfront sein? Ich kann da nur spekulieren.

    5. Worauf ich bei diesem Abschnitt hinaus wollte ist, dass von der Antifa das Bürgerliche und das Faschistische gegensätze sind, die einander ablösen. Dass aber in dem bürgerlichen/liberalen schon seit seiner Genesis die Tendenz zum „Faschistischen“ angelegt ist, z.b. in der Herabsetzung „unproduktiven“ Lebens (Bentham, Malthus) im Kolonialismus, in dem sich das bürgerliche Sendebewusstsein mit der Selbstverständlichkeit paarte, dass alle jene, mit denen sich kein vernünftiger Staat machen lässt, selbstverständlich aus dem Weg geräumt werden können. Wenn du mich fragst ist das, im Sinne von Benjamins Flaschenpost, ein klarer Fingerzeig in Richtung Holocaust. Darüber hinaus gibt es ja noch den Aspekt des „Ausnahmezustands“ d.h., dass das Bürgertum bestimmte bürgerlichen Normen über bord wirft zur Rettung der bürgerlichen Verkehrsformen (Privateigentum, Warentausch etc…) was sich ja auch an dem schnellen Zufluss den die Nazis angesichts der roten Bedrohung aus dem liberalen Spektrum erfuhren haben, zeigt. Und umgekehrt, an dem raschen Rückflüss der Sturmbannerführer in die liberale Partei nach dem Krieg. Kurz: Das Bürgerliche ohne dessen faschistische Disposition ist wie Marktwirtschaft ohne Akkumulation, wie Nation ohne Ausgrenzung.

    Ferner scheint mir die Wahrnehmung, in einer Welt zu leben, in der das „bürgerliche“ erodiert und dessen Restbestände geschützt werden müssen völlig wahnhaft.

    Ich hoffe meine Erläuterungen waren koheränt und verständlich.

  2. 2 bigmouth 05. April 2011 um 14:28 Uhr

    wenn deutschland eine weltmacht ist, jedenfalls militärisch, dann gibt es derzeit 10+ weltmächte. das ist doch ne sehr inflationäre benutzung des begriffs

  3. 3 saltzundessick 05. April 2011 um 19:11 Uhr

    mich wuerde mal interessieren, als welchem kackdorf dieser blogger pixelutopia kommt, welches es ihm erlaubt, sich ueber warnemuende zu echauffieren.

    -> das könntest du in der Tat seinem Blog entnehmen, du peinlicher Troll. (fortschritt)

  4. 4 Administrator 05. April 2011 um 20:11 Uhr

    Zum UMSCHLAGEN und BÜRGERLICHER ORDNUNG:
    Die Gefahr des Umschlagen ist tatsächlich immer gegeben, sobald sich über „naturalisierte“ Ordnungen hinweg gesetzt werden soll, weil man es KANN. Darin sind sich ja tatsächlich viele Bewegungen ähnlich. Auch eine sozialistische Revolution kann „umschlagen“. Die Angst, die da viele haben, ist, dass als Errungenschaft identifizierte „Menschenrechte“ ja auch zum Teil der bürgerlichen Ordnung gehören. Da diese vollauf umgekrempelt wird, werden sie zur Disposition gestellt, mit der Gefahr ihrer Abschaffung, ohne dass die wichtigen anderen Stellschrauben gedreht werden. Das ist meiner Meinung nach eine legitime Befürchtung. Und das Zeitfenster nach der Jahrhundertwende, die „Krise“ auch des Denkens sind Ausdruck des Gewahr werdens der Möglichkeit dessen, da es in der Macht der Menschen liegt. Trivial ist das echt nicht, damit würdest du ja sagen, dass sowas wie Faschismus nichts „Neues“ gewesen sei und als bräuchte die Theorie nicht eine Revision.

    Zu WAFFEN FÜR ISRAEL:
    Klar haben die die. Aber es ist ja nicht so, als sei es globaler Konsens, dass das so bleiben soll.

    Zur DEUTSCHEN AUSSENPOLITIK:
    Deutschland hat sich gerne als „dritten Weg“ geoutet, statt Kommunismus oder Amerikanischer Liberalismus. Sowohl vor dem 3. Reich, als auch im NS und danach. Adenauer hat hier ne tolle Brückenfunktion. Aber klar, damit sind sie weltweit nicht allein.
    Die globale Volksfront soll glaub ich die globale Antiglobalisierungsbewegung sein? aber da rate ich auch.

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