So kann SF politisch sein

Noch ein Beitrag, um den Mehrwert von phantastischer Literatur zu verdeutlichen. Oder anders: Zu zeigen, dass auch SF nicht bloß Schund ist.

Auf tor.com ist gerade eine Reihe von Artikeln zum SF-Autor Robert A. Heinlein. Er hat zahlreiche Geschichten geschrieben, darunter auch die Vorlage für den berüchtigen Streifen „Starship Troopers“ (Trailer).

Die Ambivalenz der Tatsache, das sich in phantastischer Literatur und vor allem solcher, die versucht sich mit der Zukunft der Menschen zu beschäftigen, immer Gesellschaftsbilder und -entwürfe der Autor_innen und ihrer Zeit niederschlagen, lässt sich auch an Heinlein beobachten.
So beschreibt einer der Artikel auf tor – „Heinlein: Forward-looking diversity advocate or sexist bigot? Yes“ – den Fakt, dass sich Heinlein mit seinem Verlag darüber stritt, dass er einen jüdischen Charakter auf Raummission schicken wollte. Dies wollte der amerikanische Verlag (im Jahr 1948) ablehnen, woraufhin Heinlein drohte das Buch woanders verlegen zu lassen. Mitch Wagner auf tor.com dazu:

This is all admirable, but let’s keep in mind what’s missing from this cast: Asians; disabled people; non-Americans of any kind; lesbians, gays, and the transgendered; Muslims, Buddhists, Hindus, or representatives of the other major world religions. Heinlein’s book was enormously ethnically diverse in that it included the full variety of American Judeo-Christian boys. […]
Also missing from Space Cadet: Girls.

Zwar ist das Genre, wie jede Literatur und Kunst, nutzbar, um gegen gesellschaftliche Normalzustände anzuschreiben, gleichzeitig werden aber selbstverständliche andere Stereotype reproduziert.

Bei SF kommt hinzu, dass sie von an Anfang an als “boys’ books” konzipiert war und überwiegend von Männern verfasst wird. So tradieren sich gewisse Erwartungen an Rollen in SF-Literatur und gleichzeitig das Bild von Science-Fiction Büchern und Filmen und … naja, ihr kennt diese dialektischen Teufelskreise.

Aber gerade in der Möglichkeit überhaupt andere Gesellschaften zu beschreiben, eben im utopischen Charakter von phantastischer Literatur, liegt ihr Potential. Und so konnten wir in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine wachsende Zahl feministischer Science-Fiction entdecken und auch weiterhin werden Geschlechterrollen und andere Auschluss- und Unterdrückungsmechanismen thematisiert.

Gerade weil SFF viel von jungen Menschen gelesen wird, sollte die Möglichkeit es auch als Medium progressiver Vorstellung zu nutzen, wahrgenommen werden!

Mehr dazu später.