China Mieville über die Marvi Marmara

China Miéville, Autor solch toller Romane wie Perdido Street Station oder großartiger Listen, welche SF-Romane einE SozialistIn heutzutage gelesen haben sollte (über beides wollte ich eigentlich irgendwann mal einzeln bloggen), hat mich schwer enttäuscht.

In seinem eigenen Blog, dem rejectamentalist manifesto, schreibt er über die Marvi Marmara und ob das „illegal“ war oder nicht: A cruel flaunting. Das Ergebnis des Postings ist für ihn: legal illegal scheißegal, Israel ist doof.
Er kritisiert die Gaza-AktivistInnen, dass sie die Operation des Militärs auf dem Rechtsweg angreifen wollen: Ein Kampf, den sie nur verlieren können, denn Israel ist (auch) auf diesem Feld der Stärkere und das zählt.
Ich teile seine Einschätzung dahingehend, dass mit dem derzeitigen Rechtssystem keine (vollständige?) Emanzipation zu machen ist, aber welche Wege rät er den Gaza-Soli-Leuten denn dann?

‘Fuck your law’

Damit kann Miéville eigentlich nur meinen: Klar illegale Aktivitäten gegen den israelischen Staat, das heißt seine jüdischen BürgerInnen und damit meint er sicherlich nicht, dass denen Hummus geklaut werden soll. Aber was soll ich da sagen: Er ist eben „Anti-Imperialist“ und das hätte mir ja schon längst klar sein können?

Solidarity, however, sometimes means disagreeing with comrades, debating on the same side of a barricade.

Ja, und zwischem wem steht hier die Barrikade? Zwischen Kapital und Arbeit stand sie auf der Marvi Marmara wohl kaum, ebenso wenig wurde da gegen das Patriarchat gekämpft. Zwei Themen zu denen sich China Miéville schonmal eigentlich … brauchbar geäußert hat, so dass ich denken konnte, wir stünden auf der gleichen Seite der Barrikade. Jetzt habe ich da so meine Zweifel.

So, jetzt habe ich genug zum Zynismus dieser Debatte beigetragen und mich geärgert, dass ich einen meiner Lieblingsautoren jetzt nicht mehr so toll finden kann. Trotzdem sind seine Romane lesenswert.