Archiv für Juni 2010

Was damit tun?

Vor kurzem hat ein ziemlich abgefahrenes Hotel in Singapur eröffnet. Was werden wir mit solchen Gebäuden anstellen, wenn wir irgendwann nicht mehr in der kapitalistischen Gesellschaft leben? Der Allgemeinheit zur Verfügung stellen? Lässt sich sowas in ein Hausprojekt umwandeln? Und wer darf dann in diesen Pool?
(via antiterra)

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Robot Sapiens

Folgende Dokumentation – Robot Sapiens – lief neulich auf arte und wurde dann hochgeladen. Danke nerdcore für den Link.

Trotz der dramaturgischen Gestaltung und der seltsamen Wald-Szenen ist der Film sehr spannend und geht auf kühne Träume der Kybernetik ein. Welchen stand hat die Forschung zur künstlichen Intelligenz? Welche Folgen könnte das haben?

Auch der Affe, den ich hier neulich hatte, taucht auf und ein paar Leute, die definitiv in die Kategorie „Mad Scientist“ fallen. Das Ganze könnte auch Teil des viralen Marketings zu Deus Ex 3 sein.

Teil2

Teil3

Teil4

Teil5

FEMInistLAB

Femilab - Kontrollraum Das Femilab in der Nähe von Chicago war bis letztes Jahr das Forschungszentrum mit dem größten Teilchenbeschleuniger der Welt: dem Tevatron.
Jetzt ist es vor kurzem durch den Large Hadron Collider (LHC) des CERN abgelöst worden.

Das überraschende am Femilab ist aber weder seine Architektur, noch mysteriöse bisher unentschlüsselte Briefe, sondern die Anzahl von Frauen die dort arbeitet: Knapp 40 % der beschäftigten sind Frauen, wofür das Zentrum 2006 von der Society of Women Engineers ausgezeichnet wurde. Aber auch hier gibt es seine Schattenseiten: Das Patriarchat sitzt fest im Sattel.

Trotzdem führt der Besuch einer Schulklasse zu solch schönen Ergebnissen (via geek feminism) (oder inzwischen eingedeutscht)vorhernacher1

* Among girls (14 in total), 36% portrayed a female scientist in the “before” drawing, and 57% portrayed a female scientist in the “after” drawing.
* Among boys (17 in total), 100% portrayed a male scientist in the “before” drawing, and 100% portrayed a male scientist in the “after” drawing.

Besser als F******-DFB!


Botjunkie hat noch mehr Videos von unseren 11-Roboter-Freunden. Die haben dann auch keinen „inneren Reichsparteitag“.

Zwei Artikel über gender

Aus Anlass des wöchentlich stattfindenden „Selbermach-Sonntags“ von mädchenmannschaft zwei Artikel über gender (beide englisch).

Sexismus in der Wissenschaft: Geräusche beim Sex
Auf io9.com schreibt Annalee Newitz über WissenschaftlerInnen, die versuchen nachzuweisen, dass Frauen mit Geräuschen beim Sex Männer zu manipulieren. Sie rekonstruiert die Argumentation des Teams und erklärt warum es Blödsinn. Die Muster, die hier angewendet werden finden sich analog zu auch bei vielen anderen „wissenschaftlichen“ Arbeiten zu gender. Gerade dafür lohnt die Lektüre.
Die Kommentare sind ein schönes Beispiel, dass das Internet nicht immer reaktionär sein muss.

Change your sex – Genetik macht’s möglich
Andere WissenschaftlerInnen wiederum haben etwas ganz anderes rausgefunden: X- und Y-Chromosomen haben mit der biologischen Determination des Geschlechts wenig zu tun. Stattdessen, so berichtet futurismic.com, gäbe es ein davon verschiedenes Gen, das während der Entwicklung des Fötus aktiv ist und über die Entwicklung der Geschlechtsteile „entscheidet“.
Der Clou bei der ganzen Sache: Vielleicht lässt sich das in Zukunft auch nachträglich ändern!
Naja, zu viel Hoffnung sollten wir uns hier nicht machen. Die Szenarien von zwangsweiser hergestellter Zwei-Geschlechtlichkeit und die (weitere) Pathologisierung von andersgeschlechtlichen ist wahrscheinlicher, als die per Gentechnik verqueerte Gesellschaft.

China Mieville über die Marvi Marmara

China Miéville, Autor solch toller Romane wie Perdido Street Station oder großartiger Listen, welche SF-Romane einE SozialistIn heutzutage gelesen haben sollte (über beides wollte ich eigentlich irgendwann mal einzeln bloggen), hat mich schwer enttäuscht.

In seinem eigenen Blog, dem rejectamentalist manifesto, schreibt er über die Marvi Marmara und ob das „illegal“ war oder nicht: A cruel flaunting. Das Ergebnis des Postings ist für ihn: legal illegal scheißegal, Israel ist doof.
Er kritisiert die Gaza-AktivistInnen, dass sie die Operation des Militärs auf dem Rechtsweg angreifen wollen: Ein Kampf, den sie nur verlieren können, denn Israel ist (auch) auf diesem Feld der Stärkere und das zählt.
Ich teile seine Einschätzung dahingehend, dass mit dem derzeitigen Rechtssystem keine (vollständige?) Emanzipation zu machen ist, aber welche Wege rät er den Gaza-Soli-Leuten denn dann?

‘Fuck your law’

Damit kann Miéville eigentlich nur meinen: Klar illegale Aktivitäten gegen den israelischen Staat, das heißt seine jüdischen BürgerInnen und damit meint er sicherlich nicht, dass denen Hummus geklaut werden soll. Aber was soll ich da sagen: Er ist eben „Anti-Imperialist“ und das hätte mir ja schon längst klar sein können?

Solidarity, however, sometimes means disagreeing with comrades, debating on the same side of a barricade.

Ja, und zwischem wem steht hier die Barrikade? Zwischen Kapital und Arbeit stand sie auf der Marvi Marmara wohl kaum, ebenso wenig wurde da gegen das Patriarchat gekämpft. Zwei Themen zu denen sich China Miéville schonmal eigentlich … brauchbar geäußert hat, so dass ich denken konnte, wir stünden auf der gleichen Seite der Barrikade. Jetzt habe ich da so meine Zweifel.

So, jetzt habe ich genug zum Zynismus dieser Debatte beigetragen und mich geärgert, dass ich einen meiner Lieblingsautoren jetzt nicht mehr so toll finden kann. Trotzdem sind seine Romane lesenswert.

Externe Prothesen mit Gedankensteuerung

Auf io9 habe ich folgendes Video entdeckt: Es zeigt einen Versuchsaufbau bei dem ein Affe, direkt gesagt, Kabel in den Kopf gesteckt bekommt und so einen Roboter-Greifarm steuert. Ziemlich beeindruckend.

Nur eine Website weiter bespricht futurismic Implantate (Under Your Skin). Die These, die hier aufgestellt wird:

Es ist nur noch eine (kurze) Frage der Zeit bis wir alle einen GPS-Sender und einen Bio-Monitor implantiert haben.

Biomonitor meint eine Reihe von Sensoren, die permanent bestimmte Dinge messen und ausgeben. Zum Beispiel unseren Blutzuckerspiegel, geht aber auch beliebig „tiefer“.
DiabetikerInnen haben soetwas, wenn auch nicht implantiert, schon heute. Die These scheint also nicht allzuweit hergeholt.

Auch sonst lohnt sich ein Blick in den Beitrag von futurismic, der einige interessante Links präsentiert.