Archiv für April 2010

Copying is not theft!


(via keimform)

Anarchistische Technologie-Politik?

Hier und Jetzt CoverHier und Jetzt – Anarchistische Theorie und Praxis“ heißt die deutsche Fassung eines Buches von Uri Gordon, das im Original den Titel „Anarchy Alive! Anti-Authoritarian Politics from Practise to Theory“ trägt. Im Grunde ist das Buch ein Rundumschlag auf aktuelle Themen politischer Auseinandersetzung und zumindestens von den Kapitelüberschriften sehr interessant. Ich persönlich habe aber nur Kapitel 5 über Anarchismus und Technologie gelesen.

Uri Gordon beginnt vielversprechend, in dem er die Ambivalenz im Umgang mit Technologie betont: Auf der einen Seite nutzen „wir“ täglich und gerne einen Haufen moderner Hochtechnologie und andererseits sind wir „uns“ der Problematik bewusst: Heute Technologie sorgt „für die Aufrechterhaltung und Absicherung eines Kräfteverhältnisses“ (S. 178).
Was folgt ist die Darstellung einiger anarchistischer Praxen, die sich allerdings auf die Befreiung von Feldern beschränkt und dann der deutlich interessantere Teil: Kann Technologie denn noch etwas anderes, als Menschen unterdrücken?

Die Antwort von Uri Gordon ist ganz einfach: „Nein.“ Was ihn aber nicht daran hindert, Technologie zu nutzen und eine „subversive Mikropolitik“ zu entwickeln (er bezieht sich hier auf Xabier Barandiaran).
Für Gordon ist Summe aller Technologie ein „gesellschaftliches Projekt zum durchrationalisierten Aufbau von Überschüssen und Kapazitäten“ (S. 197) und es ist unmöglich moderne Technik dezentral ohne autoritäre Kontrolle zu nutzen (vgl. 195).
Das wundert nicht weiter, denn schon zu Beginn des Artikels „outet“ sich Gordon als Anarcho-Primitivist, eine Strömung, die er keineswegs diskreditieren möchte. Der Anarcho-Primitivismus zeichnet sich seiner Meinung nach durch folgendes aus:

- sehr starker, politischer, ökologischer und spiritueller Antagonismus gegenüber industrieller Entwicklung, Technologie und Hypermoderne
- Liebe zur unberührten Natur, ökofeministisches Bewusstsein und naturverbundene, nichtwestliche Spiritualität
- eine „maximalistische“ anarchistische Kritik an der auf Hierachien beruhenden Zivilisation und ihrer Geschichte („His-tory“) von Dominanz und Zerstörung seit den Anfängen von Domestizierung, Landwirtschaft und Staat
- eine Wiederentdeckung und Wertschätzung der Jäger- und Sammlergesellschaft als Ort primitiver – egalitärer, friedfertiger, müßiggängerischer, ekstatischer und mit den Kreisläufen der Natur verbundener – Anarchie.

Kurz: ein anti-modernistisches Weltbild, dass Geschichte nur als Verfallsgeschichte denken kann.
Gordon stellt fest, dass sich diese Position aber schlecht für eine Diskussion über Technologie eignet, versucht sich davon zu lösen, schafft es aber nicht. Weshalb dann auch der durchaus gut zu lesende Text, der sicherlich nicht dumm ist und einige gute Analysen beinhaltet, am Ende auf nichts anderes hinausläuft als: Permakultur.

Trotzdem ist es beeindruckend, dass Gordon sich auf der Höhe der Zeit befindet. Nicht nur, was die bewerteten Technologien (Nano-Technik, freie Software, Commons) betrachtet, sondern auch, dass er nicht nur vergilbte anarchistische „Theoretiker“ (wie Proudhon z.B.) zitiert, sondern es schafft sogar Nach-Kriegs-Überlegungen einzubeziehen (bspw. Marcuse oder Foucault). Das hatte ich nicht erwartet.

Dies bedarf also einer weiteren Auseinandersetzung. Denn überzeugen tut Gordon nicht, dafür fehlt es ihm einfach an Argumenten. Und er bräuchte schon gute. Die Selbstverständlichkeit mit der aber Alternativen zur „low-tech-Magie“ (vgl. 197ff) als unmöglich deklariert, alarmiert.

So sage ich mit Gordon: Gegen blinden Fortschrittsglauben!
Und gegen Gordon: Für begründete Fortschrittshoffnung! Für eine Gesellschaft in der die Technik nicht der gegenseitigen Unterdrückung der Menschen dient!

Der Ozean der Weisheit weint

Der Ozean der Weisheit, seine dümmlich grinsende Heiligkeit, der wiedergeborene Diktatur, der Dalai Lama: Er trauert.

HHDL offers his condolences to the people of Poland for the loss of President Kaczynski and all the others who died in the tragic air crash.

Da fehlen mir die Worte.

HHDL steht nicht für „Hab Heidi Dolle Lieb“, sondern eben für His Holyness Dalai Lama.
Und der Typ hat schon fast ’ne Viertelmillionen Follower auf twitter. Okay, ist nicht viel für das Netzwerk, aber immer noch zu viel für diese…. Unaustehlichkeit von Publikumsliebing.

re:publica – Sexismus im Netz

Auf der jüngst stattfindenden re:publica (BloggerInnen-Konferenz) gab es ein Panel mit dem Thema „Sexismus im Netz“. Anne Roth war dabei und berichtet über ihre Erfahrungen auf der re:publica. Dabei gab es wohl auch unangenehmes, aber meiner Meinung nach erwartbares (wenn auch nicht in dieser Qualität): die Kommentare im Chat zur Veranstaltung.

Anne Roth:

So ärgerlich ich finde, dass jetzt alle über den Chat reden statt über den Inhalt des Panels, so interessant und auch aussagekräftig (und deprimierend) ist die Debatte darüber, ob solche Kommentare überhaupt ein Indikator für Frauenfeinlichkeit im Netz seien. (Was denn sonst?).

Deshalb sei nochmal auf ihren ausführlichen Artikel hingewiesen, die Zusammenfassung des Panels und die einzige Frau bei dctp.tv.

Alles in allem, wird das weiterhin ein harter Kampf für die Blogerinnen.
Aber ihr seid nicht allein!

Und Blinde könnten sehen

WissenschaftlerInnen aus Australien haben vorvorgestern ihren Stand bei der Entwicklung eines „Bionic Eyes“, also einer Netzhaut-Prothese präsentiert. Dieses Implantat, dass in den Augapfel eingepflanzt werden soll, soll Erblindeten in Kombination mit einer speziellen Brille ermöglichen, wieder sehen zu können, mehr oder weniger. In die Brille werden Kameras eingebaut, die dann Signale an den Chip senden, der dann wiederum Signale in die Nerven einspeist und so, hoffentlich, ein Bild im Kopf entstehen lässt.

“We anticipate that this retinal implant will provide users with increased mobility and independence, and that future versions of the implant will eventually allow recipients to recognise faces and read large print,” he says. BionicVisionAustralia

(via futurismic: sci-fi no more)