Was du über Genetik wissen musst

Lasst euch nicht von der (Neuro)wissenschaft verarschen!

1. Es gibt keinen (biologischen) Determinismus, zwar stecken Gene einen gewissen Rahmen für die Entwicklung eines Individuums, aber

2. die Entwicklung eines Individuums ist abhängig von Zeit und Raum. Gene haben zwar bestimmte Funktionen, wann aber welches Gen wie aktiv wird, hängt von bestimmten Faktoren ab, die auch durch die äußere Umwelt geprägt werden (und nicht nur Chemie).

3. Die wenigsten menschlichen Verhaltensweisen kommen aus der Steinzeit. Zwar wird immer wieder behauptet, dass bestimmte Handlungen uns bereits zu Urzeiten eingeimpft wurden, aber das ist vor allem für soziale Handlungen Quatsch! Reflexe ja, aber alles andere ist menschengemacht und hat auch was mit den tausenden Jahren Geschichte dazwischen zu tun.

4. Ob ein Mensch überlebt oder nicht, hat gesellschaftliche Ursachen, nicht biologische! Auch wenn es ganz im Interesse der Pharmaindustrie, der Krankenkassen und der Medizinökonomie ist, dass wir denken, dass unsere Gesundheit in unserer Hand liegt, da es ja in unseren Genen steckt, wie wahrscheinlich es ist, dass wir krank werden, hat das gesellschaftliche Ursachen, dass wir ein gesundheitliches Problem haben.
Wir müssen uns aber nicht mehr vor wilden Tieren und auch nur noch selten vor dem Wetter verstecken, vor allem nicht priviligierte West-EuropäerInnen!
Und wir haben auch keine Pflicht „zu funktionieren“ und uns „gesund“ im Sinne des Kapitals zu halten.

Die Umwelt prägt unsere Entwicklung und unser Leben und weniger die Gene. Nehmen wir diese „Umwelt“ selber in die Hand! Lasst uns Geschichte machen, Zukunft, Fortschritt, Emanzipation!


5 Antworten auf „Was du über Genetik wissen musst“


  1. 1 StefanMz 16. Februar 2010 um 19:02 Uhr

    Vorsicht mit der einfachen Negation: »Ob ein Mensch überlebt oder nicht, hat gesellschaftliche Ursachen, nicht biologische!«

    Selbstverständlich ist die Biologie (genauer: die biotische Ausstattung) des Menschen eine der Grundlagen, die den Mensch überleben lässt. Natur und Gesellschaft sind nicht als Gegensatz zu fassen, sondern es ist zu kapieren, dass die Natur des Menschen eine gesellschaftliche ist. In anderen Worten: Der Mensch ist qua biotischer Ausstattung fähig, sich zu vergesellschaften.

    Mehr dazu hier: http://www.streifzuege.org/2010/gesellschaft

  2. 2 Administrator 16. Februar 2010 um 23:24 Uhr

    Die Vereinfachung im Beitrag ist der Stoßrichtung geschuldet. Und ich denke, die These wird auch ausreichend eingeschränkt und hoffe, du hast das jetzt nur aus Vorsicht angemerkt, oder?

    Trotzdem gute Ergänzung: „Der Mensch ist qua biotischer Ausstattung fähig, sich zu vergesellschaften.“

  3. 3 Ben 18. Februar 2010 um 13:28 Uhr

    Ich muss Stefan aus zwei Gründen widersprechen: Erstens ist Gesellschaft als ausgesprochen kulturelles Phänomen durchaus im Gegensatz zu Natur zu verstehen – nur weil die Voraussetzungen biologischer Natur sein mögen, heisst das noch lange nicht, dass es ein „natürliches“ Phänomen ist, sonst ist am Ende doch wieder für alles „die Natur“ verantwortlich; zweitens habe ich Zweifel daran, dass der Mensch wirklich „qua biotischer Ausstattung“ fähig sein soll, sich zu vergesellschaften. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein Großteil der zwischenmenschlichen Konflikte und ein nicht zu verachtender Anteil psychischer Probleme ihre Ursache in dem Umstand haben, dass unsere „biotische Ausstattung“ mit der kulturellen Entwicklung nicht hat mithalten konnte, dass also unsere „Natur“ eigentlich mit der komplexen modernen Gesellschaft und besonders dem engen Zusammenleben mit derart vielen Artgenossen überfordert ist.

  4. 4 Ann 18. Februar 2010 um 17:50 Uhr

    Es gibt eine biologische Determination insofern als dass jeder Mensch mit einem bestimmten Satz von Genen ausgestattet ist.
    Diese können unabdingbar bestimmte Auswirkungen haben, beispielsweise einem Defekt, der unsere Gesundheit beeinflusst (zum Beispiel Laktoseunverträglichkeit durch die Unfähigkeit das Enzym Laktase zur Milchzuckerspaltung zu synthetisieren).
    Unsere Gene bestimmenn vieles, sind aber in erster Linie Anlagen, das heißt bestimmte Gene (oder Kombinationen von Genen) können beispielsweise eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Krankheiten bedeuten. Ob diese Krankheit dann auch tatsächlich auftritt hängt stark von unseren Umweltbedingungen ab, zum Beispiel unserer Ernährungssituation, unserem alltäglichen Stress etc.

    Darum will ich besonders auf die Umweltbedingungen hinweisen, der wir durch Umweltverschmutzung und Zusatzstoffe in Nahrung oder Kleidung ausgesetzt sind.
    Endokrin wirksame Substanzen (d.h. Substanzen die auf unser hormonelles System wirken) sind mir in diesem Zusammenhang vermehrt ins Auge gesprungen. Diese Verbindungen finden sich vor allem in Plastikverpackungen, kommen aber auch natürlich vor (z.B. in Sojabohnen). Sie stehen schon lange im Verdacht, tiefgreifenden Einfluss auf den Organismus zu haben. Das endokrine System ist sehr komplex und vielschichtig und natürlich ist auch dieses eng mit demindividuellen genetischen Code verbunden. Einflüsse auf dieses Zusammenspiel des endokrinen Systems können zu verschiedensten Reaktionen führen, die nicht nur physischer sondern auch psychischer Natur sind (vgl. das „Glückshormon“ Dopamin).
    Darum ist für mich nicht nur die Frage, welchen Einfluss die Gesellschaft auf den Menschen (und seine genetische Plastizität) hat, interessant, sondern auch, was für eine Umwelt dieser Gesellschaft geschadet ist und wie sich diese auf den Menschen auswirkt.

  5. 5 Administrator 19. Februar 2010 um 20:35 Uhr

    Gegen genau das, war der Beitrag gerichtet. ;)
    Es gibt einen schönen Fachausdruck für dieses „Da ist was in den Genen und bei (un)passendem Umweltfaktor bricht das aus“. Das wird nämlich benutzt, um den Leuten Panik zu machen, um sie aufzufordern ihr Leben nach ihren genetischen Dispositiven zu richten, sich also von schädlichen Umweltfaktoren fern zu halten. Damit sie schön weiter „funktionieren“ und am Ende selbst für das Ausbrechen ihrer Krankheiten verantwortlich gemacht werden können.

    Selbstverständlich sollten krankmachende Substanzen ausfindig gemacht, und wenn’s z.B. klar schädliche Verpackungsmaterialien gibt,diese abgeschafft werden. (ist aber n anderes thema)

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